Routenverlauf
- ⚓️ Palma de Mallorca, Einschiffung
- ⚓️ La Spezia, Cinque Terre auf der Kippe
- ⚓️ Civitavecchia, ein Tag, an dem Rom keine Option ist
- ⚓️ Seetag, eine ehrliche Beobachtung zu den Kabinen
- ⚓️ Marseille, Vieux Port und das Tatar am Tisch
- ⚓️ Barcelona, ein Tag im Spa statt in der Stadt
- ⚓️ Palma de Mallorca, Ausschiffung
Palma de Mallorca, Einschiffung
Es ist Tag eins, kurz nach 13 Uhr, wir sitzen in der X-Lounge auf Deck 7, und vor uns steht ein Steak mit Pommes. Eigentlich gehört zum Steak Kartoffelpüree, aber Püree enthält Sahne und einer von uns verträgt keine Laktose, also haben sie in der Küche das Püree gegen frische Pommes getauscht und das Steak laktosefrei zubereitet, ohne dass wir das groß ausdiskutieren mussten. Solche Kleinigkeiten entscheiden für uns am Ende, ob wir eine Reederei weiterempfehlen oder nicht.
Die Mein Schiff Relax war zu diesem Zeitpunkt erst drei Monate im Dienst und wir das erste Mal an Bord. Mit 333 Metern Länge, 42 Metern Breite und Platz für 3.984 Gäste ist sie das größte Schiff der Mein-Schiff-Flotte, im März 2025 in Dienst gestellt und mit einigen Neuerungen im Suiten- und Spa-Bereich, von denen wir uns selbst ein Bild machen wollten. Wir kannten bis dahin die kleineren Mein Schiffe und waren neugierig, was TUI Cruises sich für den Neubau hat einfallen lassen, also haben wir uns eine Woche Mittelmeer gebucht: Start und Ziel Palma, dazwischen La Spezia, Civitavecchia, Marseille und Barcelona.
Vom Flughafen zum Hafen sind es mit dem TUI-Shuttle rund eine halbe Stunde, dann sehen wir das Schiff zum ersten Mal in echt, gehen an Bord und checken ein. Den Rest des Tages hätten wir damit eigentlich laufen lassen können, aber im Flieger war einer von uns aus dem Nickerchen mit einer Idee aufgewacht und wollte einfach mal an der Rezeption nachfragen, ob noch Junior-Suiten frei seien und ob ein Upgrade möglich wäre. An Bord gehen wir genau das durch, es sind tatsächlich welche frei, und wir tauschen die Kabine. Im Nachhinein wissen wir: die richtige Junior-Suite, aber der falsche Buchungsweg.
Was an Bord aufgerufen wird, ist die Differenz zwischen dem Pro-Preis der Sparbalkonkabine am letzten Tag vor Reisebeginn und dem aktuellen Junior-Suite-Preis, und zwar auch dann, wenn man vorher eine günstigere Balkonkabine im Pur-Tarif gebucht hat. Der Aufpreis wirkt einem dadurch im ersten Moment klein, ist im Vergleich zur direkten Junior-Suite-Buchung über das Reisebüro aber selten attraktiv, weil man die Differenz zur Sparbalkonkabine ohnehin zahlt. Hätten wir die Junior-Suite vorab über Tobias und die Manufaktur gebucht, wäre die Provision aus dem Geschäft außerdem bei uns geblieben, statt im Bordaufpreis aufzugehen.
Tipp: Junior-Suite-Upgrades immer vor der Reise klären, nicht am Check-in. Wer schon hochwertig im Pro-Balkon-Tarif gebucht hat, für den lohnt sich der Sprung an Bord praktisch nie. Wer eine günstige Pur-Balkonkabine hat, kann an Bord vielleicht noch etwas rausholen, fährt mit direkter Vorbuchung aber in der Regel besser. Für unsere Kundinnen und Kunden schauen wir uns das vor Buchung selbstverständlich an.
Die Junior-Suite selbst hat uns überzeugt: hochwertige Ausstattung, durchdachter Schnitt, viel Tageslicht, und der direkte Zugang zur X-Lounge ist über die ganze Woche der eigentliche Mehrwert. Frühstück, Mittag und Abend kann man hier oben einnehmen, das Essen ist identisch mit dem Angebot im Hauptrestaurant Atlantik, es geht also vor allem darum, ob man es in der ruhigeren Junior-Suiten-Atmosphäre haben möchte oder im großen Saal mit allen anderen.
Vor dem Kabinenbezug nehmen wir noch am Allergikertreff teil, der auf der Relax regelmäßig stattfindet und bei dem die Küche alle relevanten Einschränkungen aufnimmt und konkret durchspricht, was an Bord wie zubereitet werden kann. Für jemanden mit Laktoseintoleranz spart das in den Folgetagen jedes Mal das Erklären an jeder einzelnen Station, und das macht nicht jede Reederei so.
Abends gehen wir tatsächlich noch einmal in den Atlantik, was als Junior-Suiten-Gast nicht der naheliegende Weg ist, aber den ersten Abend wollten wir bewusst im Hauptrestaurant verbringen, allein wegen der Größe und der Atmosphäre. Es gibt ein Drei-Gänge-Menü mit Carpaccio, Paella und Dessert, solide gemacht, nichts, was wir hier groß ausbreiten müssten.
La Spezia, Cinque Terre auf der Kippe
Morgens in der X-Lounge gibt es Egg Benedict, frisch zubereitet, und der Tag in La Spezia ist eigentlich schon verplant: TUI-Ausflug „Ein schönes Fleckchen Erde – die Cinque Terre", 110 Euro pro Person, rund drei Stunden Gesamtdauer mit zwei der fünf Dörfer und jeweils rund einer Stunde Aufenthalt vor Ort.
Der Ausflug ist so organisiert, dass das Boot direkt vom Schiff ablegt, was bedeutet: kein Bustransfer nach Portovenere, kein Anstellen am Bahnhof und keine vorzeitige Stresssituation, bevor man überhaupt im Wasser ist. Bei zu viel Seegang weicht die ganze Tour allerdings auf die Bahn aus, und wir erfahren später, dass wir an diesem Tag genau an der Grenze waren. Die See ist rau, die Anlandungen in den kleinen Häfen sehr speziell, und auch wenn am Ende alles funktioniert, ist es kein Komfort-Bootausflug, wie man ihn sich vielleicht vorstellt, sondern eher eine Tour für Leute, die nichts gegen etwas Bewegung im Mageninneren haben.
In einem der Dörfer riecht es schon am Anleger so intensiv nach Zitronen, dass sich ein Limoncino-Spritz quasi von selbst aufdrängt. Im anderen gibt es ein Ichnusa-Bier und eine Bruschetta mit Pesto und Sardinen, und auf der Rückfahrt passieren wir die MSC Seaview, der Himmel klart über dem Boot endgültig auf, und die farbigen Häuserzeilen, die jeder von Postkarten kennt, liegen erstmals klar in der Sonne vor uns.
Tipp: Den Ausflug direkt bei TUI Cruises buchen, nicht extern. Nur so startet ihr direkt vom Schiff aus und spart den Landtransfer nach Portovenere. Wer wenig seefest ist, sollte vorab bei TUI auf eine Tour mit Bahn-Anteil ausweichen oder den Hafen-Tag entspannt auf der Relax verbringen.
Civitavecchia, ein Tag, an dem Rom keine Option ist
Über 30 Grad am Pier, dazu ein Taxistreik in Rom, und obwohl wir kurz überlegt hatten, trotzdem auf eigene Faust mit der Bahn in die Stadt zu fahren, lassen wir es bleiben. Zwei Stunden Bahn pro Strecke, dann Stadt in dieser Sonne und am Abend zurück durch das gleiche Verkehrschaos: das wäre kein guter Romtag geworden, sondern eine Pflichtübung mit hohem Hitzschlag-Risiko und am Ende der Erkenntnis, dass man genauso gut auf dem Schiff hätte bleiben können.
Stattdessen verbringen wir den Tag im Spa-Bereich der Relax, mit mehrgängiger Sauna und einem Eiskugel-Aufguss, den der Bademeister mit einer kleinen Show inszeniert, die die Sauna für ein paar Minuten in eine Bühne verwandelt. Wir bleiben länger als geplant.
Mittags gehen wir zur Taverna Dionysos, das griechische Restaurant an Bord, das im Premium-Tarif inklusive ist. Optik und Atmosphäre stimmen, und auch der Service ist freundlich, aber das Fleisch ist trocken und die Beilagen unauffällig, während der Ouzo dafür tadellos serviert wird. Wer hier hingeht, geht für Ouzo und Atmosphäre, nicht für den Hauptgang.
Nachmittags landen wir auf dem X-Sonnendeck und lernen Mitreisende kennen, mit denen es sofort passt, sodass aus dem geplanten kurzen Drink ein langer Nachmittag wird. Es wird Rotwein, der Sonnenuntergang fällt mitten in den Plausch, und die Namen vergessen wir später, den Nachmittag nicht.
Abends dann X-Coast, das Restaurant exklusiv für Suiten- und Junior-Suiten-Gäste, ein Deck unter der X-Lounge. Sonnenuntergang durch die Panoramafenster, ruhige Atmosphäre und ein anständiger, aufmerksamer Service: genau der richtige Abschluss für einen Tag, an dem wir bewusst nichts gemacht haben.
Seetag, eine ehrliche Beobachtung zu den Kabinen
Wer auf der Relax laufen oder spazieren möchte, kann das auf Deck 5 tun, einer Runde umlaufendes Promenadendeck nah am Wasser, die gerade morgens eine sehr ruhige Sache ist. Beim Spaziergang fällt uns allerdings auf, dass mehrere Kabinen auf den unteren Decks vom Promenadendeck aus komplett einsehbar sind und dass jemand, der im Bademantel auf seinen Balkon tritt, möglicherweise mehr Publikum hat, als ihm bewusst ist. Auch die Nähe zu technischen Einrichtungen auf Deck 6 ist hörbar, nichts Dramatisches, aber wer empfindlich schläft, merkt es spätestens nachts.
Tipp: Wer auf Ruhe und Privatsphäre Wert legt, sollte bei der Mein Schiff Relax Kabinen ab Deck 8 buchen. Deck 6 ist durch die Nähe zu technischen Einrichtungen weniger geeignet, Deck 5 fällt durch die Einsehbarkeit vom Promenadendeck aus.
Abends sind wir auf der Pool Lounge auf Deck 17 mit DJ Sammy, die Akustik trägt überraschend gut, die Setlist nimmt das Publikum auf der Reise mit, ohne dabei ins zu Laute zu kippen, und wir bleiben deutlich länger als ursprünglich geplant. Es ist einer dieser Abende, an denen man auf einem Schiff genau das findet, weshalb man Schiffe mag.
Marseille, Vieux Port und das Tatar am Tisch
Der TUI-Shuttle ins Zentrum kostet Geld pro Person, aus dem Hafen heraus fährt aber ein kostenloser Hafen-Shuttle, der einen in wenigen Minuten bis zum Vieux Port bringt. Wer das im Voraus weiß, spart sich für zwei Personen schnell eine zweistellige Summe, ohne dabei einen nennenswerten Komfortverlust hinzunehmen.
Die Altstadt rund um den Vieux Port ist sehenswert, mit den klassischen Postkartenblicken auf Hafen und Hügel, aber was uns dennoch fehlt, ist das ruhige Standing. Marseille wirkt auf uns unruhig, viel Bewegung, viele Eindrücke gleichzeitig, kein Hafen, an dem wir freiwillig den ganzen Tag verbringen würden und an den wir auch nicht zwingend zurück müssen.
Beim Auslaufen dreht das Schiff eine Ehrenrunde um Fort Saint-Nicolas, die alte Festung am Hafeneingang, was eine schöne Geste der Reederei ist, weil es eben nicht in jedem Hafen automatisch passiert und sich gerade von Deck 17 gut beobachten lässt.
Abends gehen wir noch in die Captain's Bar für ein paar Cocktails und danach zum Dinner ins Høfde, das skandinavisch geführte Aufpreis-Restaurant, das vom Charakter her aber klar steakhouse-orientiert ist. Das Tatar wird am Tisch zubereitet, das Chianina-Filet mit Trüffelsoße kommt punktgenau, und preislich liegt der Abend auf dem Niveau eines guten Steakhouses an Land, was wir hier durchaus als fair empfinden. Wer einmal pro Reise einen besonderen Abend will, ist im Høfde richtig.
Tipp: Für die Stadterkundung den kostenlosen Hafen-Shuttle nutzen, nicht den kostenpflichtigen TUI-Shuttle. Wer das Auslaufen mit Ehrenrunde um Fort Saint-Nicolas mitnehmen will, sollte ab dem späten Nachmittag wieder an Bord sein und sich einen Platz auf einem der oberen Decks sichern.
Barcelona, ein Tag im Spa statt in der Stadt
Über 35 Grad in Barcelona, und weil wir die Stadt schon kennen und wissen, dass Sagrada Familia und Park Güell bei dieser Hitze keine guten Erlebnisse werden, bleiben wir bewusst an Bord. Vormittags geht es in den Spa, klimatisiert, ein Buch dabei, Musik im Ohr, und draußen die Skyline im Dunst, eine seltene Konstellation, in der wir das Schiff in Ruhe für uns allein haben, weil die meisten Gäste ausgeflogen sind.
Mittags besuchen wir das Sur Mer Bistrot, das französische Restaurant an Bord, wo wir Coq au Vin bestellen, laktosefrei zubereitet und sauber abgeschmeckt. Das Käse-Dessert hinterher fällt etwas ab, aber die Hauptspeise trägt den Mittag, und für ein französisches Konzept auf einem deutschen Kreuzfahrtschiff ist das mehr als wir erwartet hatten.
Nachmittags drehen wir noch eine Runde mit der Kamera über das Schiff, wobei insbesondere die Street Art Bar dankbare Motive abgibt, weil sie sich farblich klar vom Rest der Bordoptik abhebt. Abends sitzen wir in der X-Lounge zum letzten Dinner an Bord, Sonnenuntergang im Hintergrund, und es ist einer dieser Abende, der einfach passt, ohne dass man ihn dafür inszenieren müsste.
Palma de Mallorca, Ausschiffung
Letzter Morgen, Spätschläfer-Modus, Frühstück in Ruhe und kein gehetzter Buffet-Gang. Gegen 10 Uhr gehen wir von Bord, der Transfer bringt uns direkt zum Flughafen, mit dem Priority Pass können wir die Wartezeit in der Lounge bewusst dehnen, statt sie am Gate zu verkürzen, und beim Start sehen wir die Mein Schiff Relax noch einmal aus der Luft im Hafen liegen, ein letztes Bild dieser Woche.
Eine Sache, die wir auf der Reise nicht selbst gesehen, sondern nur von Mitreisenden erzählt bekommen haben, ist die Burlesque-Show im La Cage, die uns von mehreren Mitreisenden als das Bord-Highlight beschrieben wurde, die wir aber im Lauf der Woche einfach nicht in unseren Tagesplan hineinbekommen haben. Wir schreiben es deshalb hier auf, statt zu behaupten, wir hätten sie selbst probiert, und nehmen uns vor, das bei der nächsten Reise auf der Relax anders zu machen.
Was wir mitnehmen, ist die Junior-Suite mit X-Lounge-Zugang, die wir vor der Reise gebucht hätten, wenn wir es noch einmal könnten, dazu den Cinque-Terre-Tag, der ganz knapp nicht in eine Bahn-Tour gekippt ist, und schließlich den Sauna-Aufguss in Civitavecchia, der mehr Bühne als Bademeister war.